Distrikt 1940

Lübeck - Wie aus dem Lego-Kasten

Sarah Friede und Oliver Rentzsch mit ihrem Krankenhaus „aus dem Lego-Kasten“ © privat

01.07.2018

Lübeck

Wie aus dem Lego-Kasten

Matthias Schütt

Ein Krankenhaus in Modulbauweise für den Wiederaufbau in Syrien – eine Masterarbeit beeindruckt die WHO

Wann es endlich Frieden in Syrien geben wird, weiß Oliver Rentzsch, RC Lübecker Bucht-Timmendorfer Strand, auch nicht. Doch der Professor für internationale Gesundheitswirtschaft an der Fachhochschule Lübeck sitzt quasi auf gepackten Koffern. Denn als Berater der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Rentzsch, das steht schon fest, eine Schlüsselrolle beim Wiederaufbau der Krankenhäuser in Syrien spielen. Vorzuzeigen hat er dabei ein Modell, das die Architektin Sarah Friede als Masterarbeit an der FH Lübeck entworfen hat - und das laut Rentzsch durchaus geeignet ist, den Krankenhausbau in unterversorgten Teilen der Welt zu revolutionieren.

Das Besondere ist die Bauweise mit Modulen - Bauteilen mit Stahlrahmen im Format 6 mal 3 Meter, bei 3,45 Meter Höhe -, die wie Legosteine kombiniert werden können. Ob eine kleine Gesundheitsstation auf dem Dorf oder ein Großstadtkrankenhaus bestellt werden, die Aufgabe unterscheidet sich nur in Anzahl und Kombination der Bauteile. Vorbild für Friedes Masterarbeit mit einem siebenstöckigen 400-Betten-Krankenhaus war das zerstörte National Hospital in Homs. Eine Baugenehmigung für das Modell auf dem Gelände der alten Klinik wurde bereits erteilt.

Syrien braucht 40 Krankenhäuser
Neben der Berücksichtigung von kulturellen und landesspezifischen Faktoren, etwa die Trennung von Männer- und Frauen-Trakt durch zwei gegeneinander gesetzte U-förmige Gebäude, machen zwei Faktoren das Modell attraktiv. Die Standardisierung der Bauteile und die Serienfertigung vor Ort. Beides führt zu einer Kosteneinsparungen um zwei Drittel gegenüber konventioneller Bauweise und löst enorme wirtschaftliche Impulse in der Region aus. Allein in Syrien fehlen derzeit rund 40 Krankenhäuser.
 

Eine Hürde allerdings ist noch zu überwinden. Die technischen Spezifikationen müssen in einem Handbuch festgeschrieben werden. Das bedeutet noch einmal beträchtliche Rechenarbeiten und einige Kosten. Hier hofft Rentzsch auch auf Rotary: „Das wäre doch ein großartiger Ansatz für ein Global Grant. Stellen Sie sich vor: Die WHO zählt derzeit 29 Kriegsgebiete sowie etliche unterversorgte Regionen, wo Rotary oft bereits tätig ist. Mit dem Krankenhausmodell könnte Rotary eine neue globale Marke setzen.“

 

Erschienen in Rotary Magazin 7/2018

Matthias Schütt

Matthias Schütt ist selbständiger Journalist und Lektor. Von 1994 bis 2008 war er Mitglied der Redaktion des Rotary Magazins, die letzten sieben Jahre als verantwortlicher Redakteur. Seither ist er rotarischer Korrespondent des Rotary Magazins und seit 2006 außerdem Distriktberichterstatter für den Distrikt 1940.

 

Rotary Magazin 12/2018

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